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„Der Landessportleiter gibt bekannt“ - Zulassung des Karabiner SKS 45 zum Sportlichen Schießen

In der letzten Zeit haben sich im Landesverband wiederholt Fragen zur waffenrechtlichen Einordnung und zur Zulässigkeit des SKS-45 Karabiner 7,62x39mm für Training und Wettkämpfe gem. SpO BdMP e.V. (insb. Dienstgewehr1, 2) ergeben.   

Der Sachstand war auch deshalb verwirrend und für den Bürger rechtlich risikobehaftet, weil unterschiedliche Normen konkurrierten: IMG_0834.JPGZunächst waren dies die Einzelauslegungen für halbautomatische Gewehre, die unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen sowie der alte „Anscheinswaffenparagraph“ § 37 Abs. 1 Nr. 1 e WaffG alter Fassung. Aus letzterem – eine unsägliche Regelung, über die ich 2002 eine nicht gerade freundliche Diplomarbeit verfasste – resultierte ein Altbestand abgeänderter Waffen, die als Bestandteil von „Positivlisten“ weitere Verwirrung stifteten. 

Mit Einführung des „neuen“ Waffengesetzes wurde trotz der schlechten Erfahrungen mit dem unbestimmten Rechtsbegriff „Anschein“  wiederum ein „Anscheinswaffenparagraph“ geschaffen, der ebenfalls auch inhaltlich nicht zu überzeugen weiß: Nach §6 der AWaffV (1) sind vom sportlichen Schießen ausgeschlossen: 
1. Kurzwaffen mit einer Lauflänge von weniger als 7,62 Zentimeter (drei Zoll) Länge; 
2. halbautomatische Schusswaffen, die ihrer äußeren Form nach den Anschein einer vollautomatischen  Kriegswaffe hervorrufen, die Kriegswaffe im Sinne des Gesetzes über die Kontrolle von Kriegswaffen ist, wenn 
a) die Lauflänge weniger als 42 Zentimeter beträgt, 
b) das Magazin sich hinter der Abzugseinheit befindet (so genannte Bul-Pup-Waffen) oder 
c) die Hülsenlänge der verwendeten Munition bei Langwaffen weniger als 40 Millimeter beträgt; 
3. halbautomatische Langwaffen mit einem Magazin, das eine Kapazität von mehr als zehn Patronen hat. 

Maßgeblich war hier der Abs. 2. Verbunden mit der Frage, ob der russische SKS – von Hause aus ein Halbautomat – seinem chinesischen und vollautomatischen „Vetter“ Typ 56 ähnelt. Logik: "Sieht fast gleich aus, erweckt damit also den Anschein ein vollautomatisches Typ 56 zu sein und falsche Hülsenlänge – ergo verboten".  

Ein Krefelder Waffengroßhändler hat jetzt für Klarheit und Rechtssicherheit gesorgt: Durch Urteil des Verwaltungsgerichts Wiesbaden vom 21. Januar 2016 (Az 6 K 1480/15. WI) wurde das Bundeskriminalamt zu einer Entscheidung gem. § 6 Abs. 1 A WaffV verpflichtet. Demnach ist mit BKA-Bescheid vom 18. März 2016 der SKS im Kaliber 7,62x39mm mit dem Original-Schaftsystem und unter Abnahme des vorhandenen Bajonetts für das sportliche Schießen zugelassen.  

In der Begründung des Bescheides wird unter anderem ausgeführt, dass insbesondere die unterschiedliche Ausführung des Magazins zur Unterscheidung vom optisch ähnlichen chinesischen „Modell 68“ ausreicht, der SKS insgesamt den „heute üblichen vollautomatischen Kriegswaffen […] überhaupt nicht mehr ähnlich sieht und es verschiedene andere Waffen mit ähnlichen Designs gibt, die zum sportlichen Schießen zugelassen sind.“

Auch wenn ernsthaft bezweifelt werden muss, dass die Spitzenschützen ihre Schweden oder Schweizer, M 1903, Enfields oder M 1 A in die Ecke stellen werden: Mit dem BKA-Bescheid wird das Angebot um ein günstiges Gewehr mit preiswerter Munitionsversorgung, moderater Rückstoßbelastung und hohem Spaßfaktor bereichert. Was bleibt ist der Wehrmutstropfen der Notwendigkeit eines Voreintrages mit seiner restriktiven Bedürfnisprüfung. 

Mit herzlichem Gruß
Euer Landessportleiter

P.S.: Besonderer Dank für die Unterstützung der Recherche gilt dem „BdMP-Urgestein“ Lothar Temmeaus Paderborn!